Blick in den Wisper-Taunus.
Deutschland

Bilderbuch: Riesling, Rheinromantik und die weise Hildegard

Das Tagebuch zur Pilotreise an den Rhein. Was die Bilder nicht zeigen: Wir hatten die Sonne im Herzen und waren auch im recht frischen Oktober-Grau gut gelaunt unterwegs!

 

Ankommen und wohlfühlen

Erster Tag der brandneuen Wanderreise im Welterbe Oberes Mittelrheintal. Heute nur kleines Programm mit Ankommen und Welcome Dinner.

In Zeiten von Corona ja in der Tat schon ein Grund zu feiern. 🥳 Die neuen Regelungen rund um das “Beherbergungsverbot” hatten uns in den Tagen vor der Anreise noch ziemlich in Atem gehalten.
Aber nun sind alle 8 Teilnehmerinnen safe und sound gelandet. Und unser Rheingauer Hotel lässt keine Fragen offen, was die Einhaltung der Hygieneregeln betrifft.

Besonders erwähnens- und nachahmenswert: Wer auf die tägliche Reinigung des Zimmers verzichtet (weniger Kontaktpunkte mit dem Personal und eh besser für die Umwelt), bekommt am Ende Geld erstattet oder in unserem Fall eine Flasche Wein mit auf den Weg.

Wir fühlen uns in jedem Fall gut aufgehoben hier und freuen uns einfach auf die Wanderwoche am Rhein. 🥂

 

 

Rhein-Wisper-Glück bei Lorch

Knorrige Bäume, schwer mit Flechten und Moos überwachsen und in mystischen Dunst getaucht, stehen uns Spalier auf unserem Ausflug am ersten Wandertag am Rhein. Es geht ins “Rhein-Wisper-Glück”, einer der neu entworfenen “Wisper-Trails” bei Lorch.

Kein Zweifel: Der Herbst ist da, und irgendwie haben wir vielleicht den Oktober übersprungen und sind direkt im November gelandet. Zumindest erweckt die tiefe Wolkendecke und der scherenschnitt-werfende Nebel auf der Hochebene diesen Eindruck.

Zurück am Rhein hebt sich gegen Mittag die Bewölkung, und erste Sonnenstrahlen geleiten uns zu unserem Date mit Jungwinzerin Carolin vom Weingut Weiler in Lorch.

Sie haben die Lese gerade noch vor dem ergiebigen Regen der vergangenen Woche in die Tanks und Fässer gebracht, und Carolin nimmt sich nicht nur etwas Zeit für unsere Fragen rund um Reben und Riesling, sondern entführt uns auch in die bemerkenswerte Schatzkammer des traditionsreichen Hauses.

Das Ende eines wahrhaft herbstlichen Tages im “Freistaat Flaschenhals”. Was das ist? Eine kuriose Begebenheit deutscher Geschichte, die vergnüglich auf dieser Website nachzulesen ist:
www.welt.de/geschichte/article186839328/Freistaat-Flaschenhals-Das-bizarrste-Ergebnis-des-1-Weltkriegs.html

 

 

Rheinromantik mit Frau Loreley

Nieselgrau auf der Fähre, leuchtendgold in der prachtvollen Kirche, sattgrün in den Steilhängen am Rhein und schieferschwarz am Blick auf die legendäre Loreley. …

Eine Schöne soll sie gewesen sein, die Loreley. Sich aus verschmähter Liebe in die Tiefe gestürzt haben oder wahlweise die Schiffer verführt – je nach Version der Legende. Kniffelig ist die Schifffahrt an der engsten Stelle des “Canyons der Romantik” in jedem Fall.

Mit vielen bunten Geschichten und einer großen Tüte voller Schlehen, die irgendwann zu Schlehenschnaps werden sollen, kehren wir nach diversen Episoden von Wolken und Wind und Wunder im Günderrodehaus bei Oberwesel ein.

Auch eine unglücklich Verliebte, die Karoline von Günderrode. Auch sie stürzte sich, allerdings in einen Dolch und leider gar nicht in einer Sage, sondern in ihrem 26. Lebensjahr.

Viele romantische Gedichte hat sie zurückgelassen. Mir gefällt das hier ganz gut:

“In die heitre freie Bläue
In die unbegrenzte Weite
Will ich wandeln, will ich wallen
Nichts soll meine Schritte fesseln.

Leichte Bande sind mir Ketten
Und die Heimat wird zum Kerker.
Darum fort und fort ins Weite
Aus dem engen dumpfen Leben.”

 

 

Natur pur auf dem Wispertalsteig

Herbst intravenös. Das beschreibt die vergangenen drei Wandertage ganz gut. Heute im Wisper-Taunus. Hübsche Gegend. Im Herbst hübsch verwunschen. Wald satt, raue Felsspitzen, murmelnde Bäche, weite Wiesen.

Der Wispertalsteig ist rund 15 Kilometer lang. Anfahrt vom Rhein über Lorch durch das lauschige Wispertal bis zur Laukenmühle oder Espenschied. Lohnt sich! Sogar mit dicker Bewölkung und leichtestem Niesel (eigentlich nur minimal kondensierter Luftfeuchtigkeit) auf der saftigen Hochebene.

Hier haben wir einen Bauern mit Ohr an der Kuh getroffen. Er hat abgehört, ob bei der Schwangeren alles in Ordnung ist. Vielleicht hat er auch geflüstert. Die Kühe sahen zufrieden aus. Hier oben ist die Welt noch in Ordnung. 😇

 

 

Begegnung mit Hildegard von Bingen

Heute ist der Tag, an dem wir uns Hildegard nähern. Nach Loreley und Günderrode nun mal eine Frauenfigur, die ein deutlich rühmlicheres Ende nahm!

Im Hildegardforum in Bingen lernen wir eine ganze Menge über ihre Kräuter- und Heilkunde und rühren dann auch noch ein paar Arzneien zusammen. Es ist nicht der Workshop, den wir uns erhofft hatten, aber es sollte Corona-konform bleiben – auch nach den allerneuesten Regeln. Am Ende wird es deutlich mehr Kopf- als Handarbeit. Aber immerhin ein kleiner Einblick.

Die Rückfahrt nach Assmannshausen – ziemlich praktisch direkt mit dem Schiff – erhärtet einen Verdacht, der bereits in Bacharach aufkam: Wir sind offiziell angekommen im Urlaubsland unserer Großeltern. Dunkle Weinstuben, uriges Fachwerk und Rüdesheimer Kaffeefahrt inklusive. What to do? 🤪

Gut, dass wir seit dem Workshop am Morgen wissen, dass Wein laut Hildegard nicht nur antibakteriell und anregend wirkt, sondern auch verjüngend und stressabbauend. 🥂

 

 

Von Wildkräutern im Weinberg

Eine letzte vergnügliche Wanderung am Rhein beendet unsere Herbstferienwoche im Rheingau. Zum Abschied gesellt sich phasenweise sogar Schwester Sonne zu uns und lässt die Herbstfarben noch mehr leuchten. 🌞🍁⛅️

Auf der Spur der Wildkräuter erklimmen wir nochmal einen Weinberg. Entdecken, bestimmen und kosten, was Reben- und Waldrand über Assmannshausen bieten.
Entlang des Rheinsteigs geht es dann durch den Niederwald mit seinen Lustbauten (der Graf von Ostein und die Seinen wandelten hier lust) und Touristenhorden.

Geschwind weiter zur Abtei St. Hildegard, um der mittelalterlichen Heldin einen letzten Tribut zu zollen. Und natürlich für einen abschließenden Pilgertrunk zum Dinkelbrot. Die Benediktiner-Nonnen bauen selbst einen recht leckeren Tropfen aus. Riesling versteht sich.

Unseren Abschluss feiern wir bei einer Assmannshäuser Kräuterwirtin mit einem kulinarischen Schmankerl: Tarte von Brennessel, Giersch und Walnüssen mit Assmannshäuser grüner Sauce gefolgt von Hokkaidokürbis mit Mangoratatouille gefüllt und Rosmarin-Ziegenkäsecrumble. Klingt doch gut oder? 🤩

Die Woche war jedenfalls ziemlich abwechslungsreich und hat trotz der verschärften Corona-Regeln bis zum Schluss gut funktioniert. Mein Respekt gehört den Kollegen aus Gastronomie und Hotellerie, die wirklich ihr Möglichstes tun, damit alle Gäste sicher und zufrieden sind. Wahrlich kein einfacher Job!

Danke auch an meine unkomplizierten Mitstreiterinnen und bis zum nächsten Jahr. 🙋‍♀️

 

Wanderreise am Rhein in der nächsten Saison

4. bis 11. Juli 2021 und
3. bis 10. Oktober 2021

Alle Infos und Buchung bei Women Fair Travel:
Wandererlebnis im Welterbe Mittelrheintal: Rhein, Wein und die weise Hildegard

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *