Genau so hab ich's mir immer vorgestellt.
Travel-Blog

Nostalgiealarm: 10 Jahre Reiseleitung

Es ist der 30. Oktober 2011. Der erste Tag meiner allerersten Reiseleitung. Wochenlang hat der Monsun so stark in Zentral-Thailand und Kambodscha gewütet, dass Touristen mit Hubschraubern aus dem überfluteten Angkor Wat ausgeflogen werden mussten. In Bangkok schützen noch an diesem Tag Sandsackmauern die wichtigen Geschäftsviertel vor den Wassermassen.

Sonnenaufgang über Angkor Wat.Mein Reiseveranstalter hat beschlossen die 3-wöchige Rundreise Thailand-Laos-Kambodscha trotzdem durchzuführen. Es sieht so aus, als kämen wir mittlerweile überall hin, wo wir hinwollen. Na gut, denke ich. Klingt ja nach einem famosen Start. In Bangkok wollen wir dennoch erstmal kürzer treten.

Und so treffe ich meine weltersten Gäste im Transitbereich von Suvarnabhumi Airport. Statt 2 Nächte in der thailändischen Hauptstadt zu verbringen, fliegen wir gleich weiter ins trockene Chiang Mai. Meine erste Reise startet gleich mal mit kompletter Umorganisation des geplanten Programms. Ein Omen?

Nie werde ich in jedem Fall diese etwas bemühte und latent besorgte Vorstellungsrunde am Kaffeetisch des Flughafens vergessen und die zahlreichen Telefonate vor der Rückkehr in die thailändische Hauptstadt 10 Tage später.

Wird es denn jetzt gehen? Kommen wir in Palast und Tempel? Gibt es noch irgendein Risiko für die Reisegruppe?

Branchenwechsel sind immer aufregend. Ein Jahr vorher war ich noch Konzepterin und Projektmanagerin bei einer aufstrebenden Mainzer Internetbude und hatte andere Fragen zu klären.

Doch meine erste Rundreise geht gut. Sehr gut sogar. Und auch die vielen anderen danach – durch Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam, Myanmar, Malaysia und Indien. Später dann auch in Portugal, Italien und – wer hätte das gedacht – seit 2020 sogar in Deutschland!

Pannen und Heiterkeit

Mit Anpacken auf Ponza, Italien.Dass Krisenmanagement häufig zum Job gehört, war mir an jenem Tag vor 10 Jahren nicht klar. Da dachte ich noch, das sei eine Ausnahme. Und viele „Krisen“ in all den Jahren waren auch eher Ärgernisse – wie spätkommende oder kaputte Koffer auf den Azoren, der kurzfristig abgesagte Kochkurs in Italien, nicht gestempelte Pässe in Laos (viel Spaß bei der Ausreise!), nicht fahrende Fähren, ein Gast ohne Inlands-Flugticket und Autopannen in Kambodscha.

Obwohl… bei der dritten Autopanne auf derselben Rundreise fiel selbst mir es schwer, noch den Charme des Chaos und den Wert des einfachen Seins während der Warterei heraufzubeschwören. Auch die kleineren und größeren Insekten an verschiedenen Orten haben das Reframing nicht immer leicht gemacht.

Noch atemloser wird die Reiseleitung allerdings bei Unfällen und Stürzen, die in 10 Jahren schon rein statistisch gesehen ebenfalls auftreten müssen. Besonders schön finde ich immer noch das angebrochene Wadenbein vom Koffertragen im Hotel: Die Gästin war zu ungeduldig, um auf dem Weg zum Check-Out in Südindien auf den Fahrstuhl zu warten und trug ihre Rucksäcke hinten und vorne geschultert die Treppe runter.

Der Fehltritt bescherte ihr während unserer Wanderungen viel freie Zeit mit unserem Fahrer und das eingehende Studium einiger Kliniken in Kerala. Gut, dass sie selbst pensionierte Ärztin war, sehr neugierig und immer gut gelaunt!

Tatsächlich sind die besonderen Zwischenfälle das, was bei langen Abenden am Lagerfeuer erzählt wird. Aber was ist mit all den vielen Momenten, wo der Atem aus anderen Gründen wegbleibt?

 

Tempelpracht, Naturwunder und besondere Begegnungen

Sonnenaufgang über den Tempeln von Bagan. Beim Gedanken daran habe ich Gänsehaut. Laternensteigenlassen zu Loy Krathong in Chiang Mai. Das gigantische Bootsrennen auf dem Tonle Sap in Phnom Penh. Das Buddha-Waschritual im Tempel von Mandalay um 4 Uhr morgens.

Silvester in einem abgelegenen Dorf in Kambodscha (totale Stille). Silvester mit Riesenfeuerwerk am Chao Prayah in Bangkok. Cocktails in der Skybar in Kuala Lumpur. Der Reisschnaps bei dem pensionierten Farmer im Bergland von Vietnam. Der Limoncello auf dem Domplatz von Amalfi.

Das weltbeste Thunfischssteak auf Sao Miguel. Sepia vom Feinsten in Süditalien. Delikate Papayasalate und köstliche Frühlingsrollen in Vietnam. Ein Fischgericht, das Amok heißt in Siem Reap. Reis im Bambusstock und frittierte Vogelspinnen mit Chili und Knoblauch.

Kajakfahren durch Höhlen und Grotten in Südthailand. Radeln im Mekongdelta. Das Ertrinken im Blau des Tyrrhenischen Meeres beim Wandern auf Ponza und das tiefe Grün des Dschungels in Südostasien. Das Wunder, das Angkot Wat auch nach dem 10. Besuch immer noch ist. Die Bräuche, die Gerüche, die Geräusche…

Die herzenstiefe Verbindung mit meiner Gastgeberin in der Südfalz. Das Lachen meines Khmer-Kollegen Sin und das berührende Schicksal meines vietnamesischen Reisegefährten in den ersten Corona-Tagen im März 2020.

 

Die Welt und sich selbst entdecken

Vor allem an sie denke ich heute zurück: An die Geschäftspartner und die Kollegen an meiner Seite und auch an die in den Büros vor Ort und in Deutschland. Eine gute Reise ist immer ein Gemeinschaftsprodukt, das aus unendlich vielen Mosaiksteinen und Glücksfällen besteht. Jede*r Einzelne trägt dazu bei – tatsächlich auch alle Gäste! Was bleibt, sind nicht nur tausende von buten Bildern, sondern auch eine tiefe Dankbarkeit an alle, die jedes Mal zum Gelingen beitragen.

„Die Welt und sich selbst entdecken“ ist der Slogan von meinem Reiseveranstalter Hauser Exkursionen. Denn ja, Reisen erweitert IMMER den Horizont und lädt zum Perspektivwechsel ein. Zum „Weltblick“ wie es bei meiner Veranstalterin Women Fair Travel heißt. Und ganz nebenbei lerne ich im Spiegel des Neuen und Anderen mich selbst besser kennen.

Überhaupt keine Frage, dass ich davon noch mehr will!

2 Comments

  • Tina

    Was, das sind jetzt schon 10 Jahre!
    Ich kann mich noch erinnern, als du mir und Tom bei einem gemeinsamen Ausflug in der Pfalz von deinem Vorhaben erzählt hast. Damals konnte ich mir das Nomadenleben bei dir nicht vorstellen, das passte nicht zu dem Bild das ich zu der Zeit von dir hatte. Die taffe Projektmanagerin und Business-Lady😉. Ich sollte bald eines Besseren belehrt werden.

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