Life in the Tropics

Wie Gerüche reisen

Eine schwere Wolke Parfum wabert vom unteren Bunk-Bett zu mir nach oben und kitzelt meine Nase noch bevor ich richtig wach bin. Der Duft ist angenehm, aber eindeutig zu intensiv für die Tageszeit. Unglaublich, wie stark sich verschiedenste Gerüche in diesem Klima ausbreiten und wie eindringlich sie die Riechorgane mit Beschlag belegen.

Olfaktorische Sinneserfahrungen allerorten

Ein Spaziergang durch die Stadt oder einen Ort ist so immer auch eine wahrhaft olfaktorische Sinneserfahrung. Gemeinhin wird der Geruchssinn ja für weniger wichtig gehalten als Sinne wie Sehen, Hören oder Tasten. Wer sich einmal in den Tropen aufgehalten hat, wird jedoch schnell zustimmen, dass diese Einschätzung schwerlich korrekt sein kann.

Hier kann ein Duft einen Moment zerstören oder ganze Tage ruinieren. Denn im Grunde gibt es immer etwas zu riechen. Auf der Base sind dies vor allem in größeren zeitlichen Abständen die Absonderungen der nahegelegenen Palm Oil Factory. Der Geruch changiert zwischen gebratenem Bacon und süßlicher Melasse. Vermutlich wird dieser spezielle Duft in meinem Hirn auf ewig mit meinem Aufenthalt hier verknüpft sein.

Die dunkle Seite des Dufts

Weniger spannend sind nachvollziehbarerweise die Gerüche aus der Kanalisation, die gelegentlich schwer über manchen Ecken liegen. Auf der Phranang Peninsula gibt es immer wieder Momente, in denen der geneigte Besucher Gelegenheit hat, über die Whereabouts der Touristenexkremente zu sinnieren. Welche Lösung die Thai hierfür gefunden haben, ist mir nicht vollständig bekannt. Ich fürchte jedoch das Schlimmste und habe meine Badeeinheiten entsprechend reduziert. War eh nie ein großer Schwimmer… 😉

“In Tonsai riecht es entweder nach Abfluss oder nach Gras”, hat einer meiner mittlerweiler abgereisten Kletterfreunde einmal recht treffend konstatiert. Es ist nicht zutreffend für 100 % der Zeit, da eine hübsche Meeresbrise in weiten Teilen des Tages regelmäßig für Erleichterung in jeder Hinsicht sorgt. Dennoch lassen sich die beiden Duftnoten je nach Wetterlage und Tageszeit immer wieder einmal identifizieren – Gras bevorzugt after climb nach 17 Uhr und verstärkt in allen Bars after dinner.

Wer riechen kann, kann auch schmecken

Die gute Nachricht: Da der Geruch bekanntermaßen sehr eng verbunden ist mit dem Geschmackssinn, gibt es viele Aromen, die in der tropischen Umgebung unglaublich viel intensiver zu Tage treten. Insbesondere Früchte wie Mango und Ananas sind eine einzige Offenbarung in diesen Breitengraden, seltsamerweise aber auch ein einfaches Sandwich mit Thunfisch, Mayo und Zwiebeln. Gott, da läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen… Tschuldigung, ich muss weg!

Learn more about “Geruch”:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geruch

Geruchsquellen auf Base illustriert in kleiner Bildershow:

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