Malaysia

Wo das Glück wohnt

Wo Rauchschwaden von monströsen Räucherstäb(ch)en die Luft schwängern und in  nahezu jeder Straße ein Tempel zur Herbeirufung des irdischen Glücks steht, muss eigentlich die glücklichste Stelle der Welt zur Platzierung jedweder Wünsche sein; mindestens aber die zentrale “Luck- and Fortune-Agency” von Südostasien.

Stimmt die Geister milde

Um das persönliche Glück zu sichern, gibt es in (Südost-) Asien verschiedene Herangehensweisen. Zunächst einmal gilt es, die allgegenwärtigen Geister milde zu stimmen. Ganz gleich, ob sie Krankheiten heilen oder Unglück bringen, also guter oder böser Natur sind – die Gunst der Geister lässt sich durch Opfergaben “erkaufen”. In Thailand wird dies besonders sichtbar durch die  Geisterhäuschen auf allen Grundstücken oder durch alte, dicke Bäume, die mit bunten Tüchern umwickelt sind. Sie sind die Heimstatt verschiedentlicher Baumgeister.

Die Geisterhäuschen sind für die Erdgeister bestimmt, die durch jede Art von Bauaktivität in ihrer Ruhe gestört sind und so besänftigt werden. Die Größe des Häuschens korreliert dabei direkt mit dem Umfang der Bebauung. Bei der Auswahl des Ortes für das Geisterhäuschen hilft ein Schamane, die Einweihung übernimmt ein qualifizierter Mönch oder Wahrsager. Danach reichen die Bewohner des Grundstücks mindestens einmal wöchentlich Reis, Früchte, Tee, Wasser und andere Gaben dar.

Sprecht mit den Ahnen

In anderen Teilen Südostasiens, insbesondere in stark chinesich geprägten Ländern wie Nordvietnam, Malaysia oder Singapur, kommt dem Ahnenkult eine wichtige Bedeutung zu. In einem Hausaltar und/oder einer gemeinschaftlich errichteten Ahnenhalle stehen Täfelchen mit den Namen der verstorbenen Vorfahren. Durch ein Opfer (Speisen und Getränke) können die Lebenden mit ihren Ahnen in Verbindung treten.

Verehrt die Göttin der Barmherzigkeit

Besonders populär in ostasiatischen Gesellschaften ist dazu die Verehrung von Guanyin, Göttin der Barmherzigkeit (Goddess of Mercy). Gelegentlich scheint die Gnädige sogar wichtiger oder populärer zu sein als Buddha selbst.

Der “Temple of the Goddess of Mercy” in Penang zählt mit einer Bauzeit um 1800 jedenfalls zu den ältesten auf der Insel und ist vor allem in den Morgenstunden und an wichtigen persönlichen oder öffentlichen Feiertagen stark frequentiert. Zentraler Bestandteil bei der Anrufung der Göttin ist die Verbrennung von Räucherwerk oder gar speziellem Räucher-Papier, auf dem die Eckdaten des Bittstellers notiert wurden.

Entzündet ein Stück Räucherwerk

Davon unabhängig können die Wünsche an die Göttin auf kleinen Papieren notiert und im Tempel platziert werden. Das Equipment für die Rituale (Opferlichte, Öl, Räucherwerk) können direkt im Tempel oder in kleinen Buden vor der Tür erstanden werden. Die Mutter aller Räucherstäbchen gibt es für 18 Ringgit (etwa 4 Euro). Noch mehr Glück ist dem gegeben, der ein paar der gefangenen Vögelchen in die Freiheit entlässt (und dafür einen kleinen Obolus an den Vogelfänger entrichtet).

Die verschiedenen Figuren im Tempel sind Bildnisse der Göttin selbst oder verschiedener anderer Götter und Heiliger. Der gesamte Kult bleibt gleichwohl integriert in den buddhistischen Glauben. Der Mönch im Bild unten führt etwa die Zeremonie zur “Öffnung der Augen” durch: Dazu gehört das Bemalen einer Buddha-Statue, das Läuten einer Glocke und das Abbrennen von Räucherwerk.

Penang, die Stadt des Glücks, vereint sie alle, diese Kulte. Mir hat sie in jedem Fall schonmal ein 3-Monats-Visum für Thailand beschert – das Ticket zum Glück?! 😉

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